Kritik: Amok Train – Fahrt ins Nichts (1989)

Kritik: Amok Train – Fahrt ins Nichts (1989)

Amok Train - Fahrt ins Nichts

19891 h 34 min
Kurzinhalt

Eine kleine Gruppe amerikanischer Studenten macht eine Klassenfahrt nach Jugoslawien unter ihnen auch Beverly die von niemandem so richtig akzeptiert ist, weil sie sich immer abkanzelt. Beverly ist noch Jungfrau und hat hier im Lande Vorfahren. Überhaupt benehmen sich alle Leute hier sehr merkwürdig und als plötzlich ihre Hütte in Flammen aufgeht müssen sie erkennen daß man ihnen an den Kragen wil

Metadaten
Regisseur Jeff Kwitny
Laufzeit 1 h 34 min
Starttermin 1 Oktober 1989
IMDb Id tt0096920
Detail
Medien
Film-Details Verfügbar
Bewertung Nicht schlecht
Bilder
Amok Train – Fahrt ins Nichts gehört zu jener Sorte Gruselfilme, die dem Trash-Genre zuzuordnen sind: Wie schon aus der Einleitung ersichtlich, geht es mehr oder weniger nur um die Konstellation, amerikanische Jugendliche auf der Flucht vor dunklen Kräften des Ostblocks (hier: des Balkans) darzustellen. Der Hauptteil des Films, der sich nicht lange mit Charakterisierungen oder Begleitumständen aufhält, besteht in der Fahrt mit einem wildgewordenen Zug, in dessen Verlauf alle Mitschüler sowie einige andere ums Leben kommen, bis am Ende nur noch Beverly übrigbleibt, die als Jungfrau für ein satanisches Ritual vorgesehen ist.
Während die Darstellung des teilweise wild durch die Gegend pflügenden Zuges mittels diverser Modellbahn-Einschübe eher zum Schmunzeln anregt, sind einige andere Elemente durchaus positiv hervorzuheben: Die finstere Gegend mit den schwarz gekleideten Dorfbewohnern, die sich nur sehr langsam bewegen und durch nichts aus der Ruhe gebracht werden können, erzeugt eine passende düstere Stimmung. Als es brennt – und später, wenn das Ritual bevorsteht – schlagen sie lethargisch Steine aneinander, was ein unheilschwangeres Klacken hervorruft, welches die Horror-Atmosphäre ganz hervorragend unterstreicht. Auch die zwischenzeitlichen Tötungen fallen relativ überzeugend aus, wenn man bedenkt, dass damals keine Computertechnik zur Verfügung stand: Die Mutter von Beverly, die von einem Stahlträger quasi geköpft wird, oder auch der verbliebene Schüler, der beim Herumspielen an der Wagenkupplung vom Zug halbiert wird, um nur einige zu nennen.
Bilder von ""

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Abstriche muss man bei den jungen Darstellern machen, die vollkommen uninspiriert reden und handeln – auch Hauptdarstellerin Mary Kohnert (Beverly) beherrscht nur einen einzigen Gesichtsausdruck und man wünscht sich, dass sie wie ihre Mitschüler bald abtritt. Gut gewählt dagegen die Dorfbewohner, deren Physiognomien auf jahrhundertelange Inzucht schließen lassen – besonders die alte Hexe, die im Film mehrfach auftritt, wäre eine (lebende) Attraktion für jede Jahrmarkts-Geisterbahn.
Am beeindruckendsten ist der titelgebende Zug, der aus einer Schlepptenderlok sowie wenigen Wagen besteht – letztere werden bald abgehängt, damit die Lok dann mit nur noch einem Gepäckwagen durch die Prärie rasen kann. Mit seinen tiefen und nach vorne gebogenen Windleitblechen hat das alte Dampfross ohnehin ein etwas gespenstisches Aussehen – in manchen Panorama-Szenen kann man auch den ganzen Zug fahren sehen, was zu dessen Authentizität beiträgt. In krassem Gegensatz dazu stehen jedoch jene Darstellungen, in denen sich erkennbare Modellbahngleise wie von Geisterhand verschieben, um den Zug über Felder und Wiesen und in einem Fall auch durch einen Weiher fahren zu lassen – von den Versuchen der Bahngesellschaft, ihn zu stoppen, einmal ganz abgesehen: Da werden mehrere LKWs auf einem Übergang versammelt, welche die Dampflok offenbar locker wegräumt, denn im nächsten Schnitt ist nur noch ein brennender Haufen zu sehen (der verdächtig flach ist und keinerlei LKW-Bestandteile enthält) – auch ein entgegen fahrender anderer Zug, dessen Insassen gerade noch rechtzeitig abspringen können, wird mit einem großen Knall ziemlich spurlos beseitigt – die Dampflok übersteht all dies übrigens ohne den geringsten Schaden…
Zu den Besonderheiten des Films gehören auch die nicht synchronisierten sondern nur untertitelten Gespräche der Einheimischen, die nicht nur aus finsteren Hinterwäldlern bestehen, sondern auch eine moderne Bahnverwaltungszentrale haben, dessen Bedienstete in Uniform sich vergeblich bemühen, den auf einem elektronischen Gleistableau aufscheinenden Geisterzug zu stoppen. Auch wer des Serbokroatischen nicht mächtig ist, wird zweifellos zugeben, dass diese Parts interessanter sind als jene synchronisierten, denn was die Dialogregie den Schülern in den Mund legt, ist an Belanglosigkeit kaum zu überbieten. Die wenigen Subplots mit einem geheimnisvollen Flötenspieler im Zug, Beverlys Unbeliebtheit bei ihren Mitschülern oder einem weiblichen Eisenbahn-Tramp werden nur angedeutet, aber nicht weiter ausgeführt. Immerhin ist der ganze Klamauk soweit sauber und ohne gröbere Anschlußfehler/Jumpcuts abgefilmt.
Insgesamt ist Amok Train also eine durchaus ambivalente Angelegenheit, in der sich hanebüchene Ideen und langweilige Teenager in einer gelungen düsteren Atmosphäre mit kurzen Splattereinlagen ein Stelldichein geben. Für Gruselfreunde bedingt geeignet, für Trashfreunde aber fast schon ein Muss und Gore und Splatter Fans sollten einen Blutigen Blick riskieren, es lohnt sich.
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