Lohn der Angst (1953)

Lohn der Angst (1953)

Lohn der Angst

19532 h 30 min
Kurzinhalt

Vier gescheiterte Existenzen in einem verlassenen Örtchen in Venezuela: Bimba, ein aus dem Arbeitslager der Nazis entkommener Deutscher, der Korse Mario, Smerloff aus Russland und Luigi , ein Italiener. Über eine halbe Stunde nur Trostlosigkeit, Leere und Beklommenheit. In Las Piedras bleiben diejenigen hängen, die anderswo nicht mehr erwünscht sind. Ihre einzige Freude ist die Bar von Hernandez, in der die hübsche Kellnerin Linda arbeitet. Eines Tages kommt M. Jo ins Dorf und freundet sich mit Mario an. Sie verbindet ihre kriminelle Vergangenheit, durch die sie nicht mehr nach Europa zurückkehren können. Doch eine nahe gelegene Ölquelle ändert ihr Schicksal vollkommen.

Metadaten
Laufzeit 2 h 30 min
Starttermin 22 April 1953
IMDb Id tt0046268
Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Grandios
Die 1953 entstandene Produktion hebt sich deutlich vom damaligen Mainstream ab. Während die Amerikaner Krimis und Western mit namhaften Stars produzierten, hatte sich Frankreich bereits einen Ruf als Nation des Film Noir erarbeitet. In gewisser Hinsicht passt selbst »Lohn der Angst« in dieses Schema, zumindest was die Charakterstudien der Hauptakteure angeht.
YVES MONTAND spielt den jungen Korsen Mario, der sich von dem Geld ein besseres Leben verspricht und voller Enthusiasmus an die lebensgefährliche Arbeit geht. Der 1921 in der Toskana geborene Italiener, der 1924 mit seiner Familie nach Frankreich auswanderte, 1929 die französische Staatsbürgerschaft erhielt und 1991 in Senlis, Frankreich, an einem Herzinfarkt starb, war von 1946 bis zu seinem Tod im Filmgeschäft aktiv. Seine Darstellung des einerseits in Freundschaft mit seinen Kameraden verbundenen Mannes und zugleich des skrupellosen Ehrgeizlings ist überragend. Für den jungen Korsen Mario gilt nur der Sieg – koste es, was es wolle. Seine Angst, bei dem Job sein Leben zu verlieren, überspielt er meiner Meinung nach mit übertriebenem Ehrgeiz, was ihm zum Schluss auch teuer zu stehen kommt.
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CHARLES VANEL mimt den alternden Franzosen Jo, der zwar einerseits auf das Geld angewiesen ist, der jedoch auch mehr und mehr von der Angst vor dem todbringenden Nitroglyzerin übermannt wird und seinen Freund und Partner Mario stehenlässt, was zu heftigen Auseinandersetzungen führt – einschließlich körperlicher Gewalt. Der altersbedingt nicht mehr allzu kräftige Jo kann sich nicht wirklich gegen den deutlich stärkeren Marion durchsetzen und muss letzten Endes den Job bis zum bitteren Ende durchziehen. Der 1892 in Rennes geborene und 1989 in Cannes verstorbene Franzose ist in seiner Rolle absolut überzeugend. Die Angst vor dem Nitroglyzerin steht ihm sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben. Dies wird vor allem in der Szene überdeutlich, als das Team aus Luigi (Folco Lulli) und Bimba (Peter van Eyck) einen großen Felsen mit Nitroglyzerin sprengt, der mitten auf der Straße liegt, und Jo registriert, dass die herabregnenden Steine das Nitroglyzerin auf den Lastern durchaus zur Explosion bringen könnten, obwohl sie hinter einem Hügel in Sicherheit zu sein scheinen. Hier wird überdeutlich gezeigt, welch emotionalem Stress die Männer während ihrer Höllenfahrt ausgesetzt sind.
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PETER VAN EYCK wurde 1913 in Hinterpommern geboren und ist 1969 in der Schweiz verstorben. Der deutsch-amerikanische Schauspieler ist mir selbst bisher nur aus „Der längste Tag“ (1962) und aus „Die Brücke von Remagen“ (1969) bekannt, wo er jeweils Offiziere spielt. In »Lohn der Angst« spielt er den deutschen Arbeiter Bimba, dessen Vater nach dem Krieg als Offizier gehängt worden ist. Entsprechend wird auch sein Naturell im Film gezeigt. Stolz, mit hoch erhobenem Haupt, der Wert darauf legt, auch im Tod stets gepflegt zu sein (und sich daher während der Fahrt im Laster rasiert).
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FOLCO LULLI spielt den vierten im Bunde. Der 1912 in Florenz geborene und 1970 in Rom verstorbene Italiener ist in der Rolle des schwer erkrankten Luigi zu sehen, der vom Lagerarzt eine Lebenserwartung von bloß noch ein paar Wochen – vielleicht Monaten – prognostiziert bekommt. Innerlich schier gebrochen, sieht Luigi nun seine Chance gekommen, mit dem Geld noch etwas Gutes tun zu können, während er ansonsten nichts mehr zu befürchten hat. So kommt es auch, dass er sich im Film einmal für seine Kameraden opfern möchte, um eine Lunte zu löschen – jedoch kommt seine Aktion zu spät, was er dennoch unbeschadet übersteht.
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Die vier Schauspieler mimen jeweils Männer, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Regisseur und Produzent Henri-Georges Clouzot, dessen Frau Véra in »Lohn der Angst« in der Nebenrolle der Linda zu sehen ist, galt als Lieblingsregisseur von Romy Schneider und hat mit seinem Film »Lohn der Angst« ein bleibendes Denkmal für die Filmkunst geschaffen, das von 1953 bis 1955 mehrere internationale Preise erhalten hat – darunter den Goldenen Bären der Berliner Filmfestspiele von 1953 sowie 1955 den British Film Academy Award als Bester Film. (Zsolt)


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