Spasmo (1974)

Spasmo (1974)

Spasmo

19741 h 34 min
Kurzinhalt

Als Christian gerade mit seiner neuen Freundin Barbara zur Sache kommen will, bricht ein fremder Mann in das Badezimmer ein und bedroht Christian. Dieser kann den Eindringling überwältigen und erschießt ihn mit dessen eigener Waffe. Später dann ist der tote Körper plötzlich verschwunden und verschiedene seltsame Ereignisse tragen sich zu, die Christian an seinem Verstand zweifeln lassen. Es stellt sich heraus, dass sein Bruder Fritz hinter all dem steckt, der Christian beseitigen will, um sich so dessen Erbanteil zu erschleichen...

Metadaten
Regisseur Umberto Lenzi
Laufzeit 1 h 34 min
Starttermin 16 Februar 1974
IMDb Id tt0072196
Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Gut
Sommer, Sonne, Puppen, Erotik, Fetischs, Unbekannte, Gewalt, Schönheit, Tod – all das verbaut Umberto Lenzi in „Spasmo“, bei dem man durchaus argumentieren könnte, dass es einer seiner besten Filme, wenn nicht sogar sein bestes Werk überhaupt ist. Da mag manch einer sagen, im Brei der Kannibalen-Schinken wäre das keine Kunst, aber jeder der sich mit seinem gesamten Schaffen beschäftigt hat, weiß, dass der Mann durchaus mehr auf dem Kasten hatte als Dschungel, Titten und Gedärme. „Spasmo“ ist dafür das Spitzenbeispiel. Die unfassbar (und etwas übertrieben und unnötig?) komplizierte Handlung: während einer angehenden Liebelei bzw. Sexnacht mit einer schönen Fremden (die man ohnmächtig am Strand fand!), wird unser machohafter Protagonist von einem Fremden im Badezimmer attackiert und erschießt diesen dabei aus Notwehr. Und nun beginnt die Flucht, Vertuschung und das Spiel mit der Paranoia, denn nicht nur der Tote taucht wieder auf, sondern auch weitere unserem Protagonisten nahestehende Leute scheinen ein perfides Spiel bzw. einem perversen Plan zu verfolgen…
Bilder von ""

© − Alle Rechte vorbehalten.

Was für ein famoser, ungewöhnlicher und psychologisch verstörender „Giallo“, obwohl der Begriff hier schon recht weit gedehnt werden muss. Und was für ein extrem wirrer Plot. Da weiß man oft nicht, wo oben und wo unten ist, was das alles soll und wohin man will. Sowas habe ich selten erlebt, das erfordert Geduld. Unübersichtlich, chaotisch, schwer zu durchschauen, vielleicht auf den ersten Blick für viele auch sinnlos und senil. Doch für mich noch viel eher (positiv) einlullend, verführerisch und träumerisch, wunderschön gefilmt und mit einem Zungeschnalz-Score vom Meister Morricone höchst persönlich unterlegt. „Spasmo“ erfordert Konzentration – oder eben volle Hingabe, die exquisiten Bilder und die vagen Ahnungen einfach über einen schwappen zu lassen. Das kann etwas ermüden und viele Fragezeichen über’m Kopf erscheinen lassen, gerade heutzutage ist man derart viele Lücken und Auslassungen in der Geschichte nicht gewohnt, das Mitdenken und selbst zusammen spinnen wird hier in neue Höhen geführt, ebenso wie das Fühlen und „Geschehenlassen“. Aber für mich hat es weitestgehend funktioniert und Lenzi als einen doch faszinierend unterschätzten und verkannten Regisseur weiter zementiert. Vor allem wenn man nur seine späteren Kannibalen- und Zombie-Schlachtplatten kennt, sollte man sich solche früheren Schmankerl, von Giallos bis zu Poliziottos, unbedingt mal zu Gemüte führen. Bahnhofsflair trifft Kinohochgenuss. „Spasmo“ ist hypnotischer Edelschmuddel vor dem Herrn. Fein fein.
Bilder von ""

© − Alle Rechte vorbehalten.

Fazit: da soll nochmal einer sagen, der Lenzi hätte nur Goregematsche im Petto… „Spasmo“ ist weit mehr als nur eine der letzten Zuckungen des Giallogenres, eher ein äußerst elegantes Vexier- und Versteckspiel mit entzückendem Setting, vielen Rätseln und Wendungen, soliden Darstellern und einer überraschend kompetenten, nahezu formvollendeten, ja fast meisterhaften Inszenierung des Splatterchefs. Für Giallofans führt da kein Weg dran vorbei! (Zsolt)


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