Kritik: The Opium Connection (1972)

Kritik: The Opium Connection (1972)

The Opium Connection

19721 h 45 min
Kurzinhalt

Die Herstellung und der Vertrieb von Opium und dem daraus gewonnen Heroin liegen in den Händen einer verzweigten internationalen Gangsterorganisation. Joseph Coppola, Topagent der US-Anti-Drogenbehörde, kämpft mit äußerstem Einsatz für die Ausrottung des mächtigen Syndikats. Sein Auftrag führt ihn von Afyon in der Türkei, wo das Opium hergestellt wird, über Sizilien, wo die Mafia die Heroinherstellung und den Weitertransport in die USA kontrolliert, bis zurück nach New York. Coppola übernimmt zur Tarnung einen Nachtclub und gibt vor, selbst 500kg Rohopium kaufen zu wollen. Wird ihm der Trick gelingen, so an die Hintermänner heranzukommen?

Metadaten
Regisseur Ferdinando Baldi
Laufzeit 1 h 45 min
Starttermin 21 Dezember 1972
IMDb Id tt0068179
Detail
Medien
Film-Details
Bewertung Sehr Gut
Bilder
Regisseur Ferdinando Baldi, der neben dem superben Genre-Klassiker “Blindman, der Vollstrecker” einige andere sehenswerte Italowestern auf die große Leinwand gezaubert hat, widmete sich im Jahr 1972 mit “The Opium Connection” intensiv der Mafia Historie.
Wir verfolgen den mühsamen Weg Joseph Coppolas (Ben Gazzara) vom kleinen Fisch zum großen Hecht (was sein Verhältnis zu Frauen betrifft wäre der Begriff “Hengst” passender) im Drogengeschäft.
Offenbar stand für die Produktion etwas mehr Geld zur Verfügung als in Anbetracht der Entstehungszeit und des Genres üblich. Gefilmt wurde neben Istanbul, Kappadokien und Sizilien auch in New York City.
Bilder von "The Opium Connection"

© 1972 Produzioni Atlas Consorziate − Alle Rechte vorbehalten.

“Klotzen, nicht kleckern” lautete wohl die Devise Baldis. Das ist zugleich auch das Motto des Hauptprotagonisten Coppola, der im großen Stil Opium kauft und dieses später in James Bond Manier vom Transportschiff klaut.
Neben einem Einblick in mafiöse Strukturen, undurchsichtige hinterlistige Machenschaften und hierarchische Verhältnisse innerhalb der Onorata Società erfährt man in “The Opium Connection” Details über die Herstellung und Verarbeitung von Mohn zu Opium und letztendlich zur hochwirksamen Droge Heroin.
Der ganze Prozess ist mitunter leider ein bisschen zäh inszeniert und manche Charaktere (beispielsweise der türkische Inspektor, der Coppola genaustens beobachtet) verlaufen ins Leere oder wirken befremdlich unmotiviert.
Die famos inszenierten Gewaltszenen und die Darstellung subtiler und offensichtlicher Bedrohung von konkurrierenden Mafiosi wären bei einer etwas strafferen Inszenierung sicherlich aussagekräftiger gewesen. Hätte sich Baldi doch ein Beispiel an Fernando Di Leo nehmen können…
Glücklicherweise tut dies der Unterhaltung aber keinen besonders nachteiligen Abbruch.
Bilder von "The Opium Connection"

© 1972 Produzioni Atlas Consorziate − Alle Rechte vorbehalten.

Zu meiner Verzückung und Entschädigung für den ein oder anderen Leerlauf geben sich aber scharenweise populäre und legendäre DarstellerInnen des italienischen Genrekinos der Siebziger die Ehre.
Wer freut sich nicht über ein Wiedersehen mit Malisa Longo (Der Clan der Killer), Silvia Monti (Una lucertola con la pelle di donna), Corrado Gaipa (der schmierige Anwalt aus Das Syndikat gibt hier den großen Mafiaboss Don Calogero), Omero Capanna (der als der Taubenspucker in Milano Kaliber 9 in die Filmgeschichte einging), Luciano Rossi (der sadistische Hans Krutzer in La morte accarezza a mezzanotte), Romano Puppo (der Amokläufer von Mailand in Racket), Bruno Corazzari (wirkte in 63 Filmen mit, u.a. als dubioser Rotzkopf in Der Mann ohne Gedächtnis) oder Luciano Catenacci (der glatzköpfige Bürgermeister in Die toten Augen des Dr. Dracula)?
Bilder von "The Opium Connection"

© 1972 Produzioni Atlas Consorziate − Alle Rechte vorbehalten.

Bei dieser Besetzung würde ich mich von keinem Genre abschrecken lassen. Nicht einmal von einer seichten Liebeskomödie. Oder vielleicht doch? Egal.
“The Opium Connection” hat neben einem ernsten und realitätsnahen Grundtenor auch Originelles zu bieten.
Neben dem sehr eigentümlichen Soundtrack der De Angelis Brüder (nicht der Prog-Rock, sondern die undefinierbare Musik, die mit männlichem Grunzen oder Stöhnen unterlegt wurde) delektiert man sich an Absonderlichem (z.B. die Sahne-Szene…) und Amüsantem (z.B. die Mafiosi aus Marseille, die lieber eine französische Sauce gehabt hätten. (Zsolt)

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