Kritik: Time Breaker (1975)

Kritik: Time Breaker (1975)

Time Breaker

19751 h 27 min
Kurzinhalt

Ein namenloser Kopfgeldjäger erhält ein Angebot, das er nicht ausschlagen kann: 50.000$ für die Überführung einer spanischen Prinzessin nach Europa. Doch bereits auf der Überfahrt kommt es zu einem unerklärlichen Zeitsprung: Plötzlich hat man es nämlich mit Wikingern, Hunnen, Engländern und Spanien zu tun, die bei ihrem Kampf um einen geheimnisvollen Schatz bis zum Äußersten gehen. Das gilt auch für den namenlosen Fremden, den das Abenteuer bis in die Geisterwelt führt...

Metadaten
Regisseur Ferdinando Baldi
Laufzeit 1 h 27 min
Starttermin 21 Dezember 1975
IMDb Id tt0074570
Detail
Medien
Film-Details Verfügbar
Bewertung Sehr Gut
Bilder
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Time Breaker – “What the fuck is going on?“
Oder, um Mal in der Heimatsprache zu bleiben: “Was zum Teufel passiert hier und wo geht die Reise hin????
Das ist wahrscheinlich die beabsichtigte wie auch erwartungsgemäß passende Resonanz auf Ferdinando Baldis Westernirrsinn „Get Mean“, den den Regisseur mal wieder mit Star und Produzent Tony Anthony runtergedreht hat. Und es ist mal ein richtig merkwürdiger Streifen.
Der einsame Westernheld mit ständig fragendem Gesichtsausdruck, Anthony, wird engagiert, um eine spanische Prinzessin nach Hause und ihre Widersache in Särge zu verfrachten. So weit, so verständlich, aber das war es dann auch, denn ob jetzt gerade mordende Barbarenscharen in Mittelalterkluft auf unseren Helden losstürmen, der dann durch eine Explosion die nächsten zehn Minuten in „Blackface“ durch die Gegend rennt und erst einmal meint: „Oh mein Gott, ich bin schwarz, ich verrotte bei lebendigem Leib!“, oder ob der Showdown eine unerreichte Höchstmarke in Sachen „Explosionen den Rücken kehren um cool auszusehen“ aufstellt, hier bleibt kein Stein auf dem Anderen und der Krümel wird zum Gesteinsbrocken.
Was „Scary Movie“ für „Scream“ ist, dass ist „Get Mean“ für „El Topo“. Nicht auf den Inhalt, sondern die aufgefahrenen Absurditäten bezogen. Wo man beim Klassenprimus von Jodorowsky sich eigentlich sicher sein kann, dass mit den verschiedensten, surrealen Szenen auch eine tiefere Botschaft und Aussage vermittelt werden soll, so sehr scheinen sich Baldi und Anthony für die reine Gaudi zu interessieren. Ständig kracht was, lacht was oder plappert was, das Genre steht Kopf, nicht weil man sich etwas dabei denkt, sondern weil man es eben kann. Das anscheinend nicht kleine Budget geschultert und auf in die Wüste, es gilt einen irren Western zu drehen!
Aber wahrscheinlich wird man dem Film dadurch auch nicht gerecht. Je irrer es wird und je abgedrehter die Figuren, desto mehr wirkt alles wie ein Destillat aus Genre-Klischees und bereits gelebten Charakteren. Das ständig lakonische Nachfragen unseres Helden, den eigentlich all das um ihn herum einen Scheiß interessiert. („Spanien? Was ist ‚Spanien’?!?“) Die Bösewichte, die entweder einen starken Shakespear- oder einfach einen ganz generellen Haschmisch haben, alle werden sie genüsslich vorgeführt.
In gewissem Sinne dienlich ist dem Werk dabei die extrem rüde Schnitttechnik. Ständig scheinen die Einstellung zu lange zu gehen und zu früh zu beginnen, nie entwickelt sich ein bekannter Rhythmus. Aber das führt all die ulkigen Figuren mit noch ulkigeren Verhaltensweisen nur so richtig vor und zündet noch deutlich mehr als viele offensichtliche Pointen das vermocht hätten.
Das Alles macht „Get Mean“, den der deutsche Verleiher hierzulande krampfhaft mit einer Inhaltsangabe rund um „Er wird zurückgeschleudert in eine fremde Zeit“ oder auch dem Titel „Time Breaker“ versucht hat irgendwie verständlich zu machen und dabei natürlich nur noch für mehr Chaos gesorgt haben dürfte, sicherlich nicht zu einem leicht verdaulichen Film. Unangepasst, roh, absurd und im Kern total ballaballa. Wer auf abgedrehtes Zeug steht und der vielleicht mindestens noch einen Filmgefährten zur gemeinsamen Sichtung vor dem Abspielgerät verpflichten kann, der wird aber sicherlich eine unterhaltsame Zeit erleben. Und keine Sorge: „Get Mean“ führt nicht zu Gesichtsepilepsie, die hochgezogenen Augenbrauen während der gesamten Laufzeit sind normal! Dieser Film ist wie Speed im Wind der einen glatt die Gesichtsbeharrung bis nach innen Krempelt.


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